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ANALOG
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Objekte der Fürsorge
Waschen als stärkende Gemeinschaftspraxis
Waschen als stärkende Gemeinschaftspraxis
Vor einem Jahr entstand das Projekt „Kleines Badehaus“ – ein temporärer Raum mit Objekten für eine Handwäsche. Während über 100 Handwäschen entstanden Gespräche mit vielen Menschen: über Bade- und Wascherlebnisse in anderen Kulturen, über die Pflege älterer Angehöriger, über ganz persönliche Waschrituale. Dabei zeigte sich, wie viel Anklang dieses alltägliche Thema fand. Und doch waren viele überrascht davon, wie es sich anfühlt, gewaschen zu werden – auch bei einem Körperteil wie den Händen, das man meist mehrmals am Tag selbst wäscht.
Daraus entstand ein vertieftes Interesse an historischen und kulturellen Formen des Badens – an einer Zeit, in der Körperpflege auch in Mitteleuropa noch stärker im öffentlichen, gemeinschaftlichen Raum stattfand. In der Recherche fanden sich Darstellungen von Frauengruppen, die gemeinsam baden, sich waschen, füreinander sorgen und Stärke als Gruppe ausstrahlen. Diese Bilder eröffneten zugleich ein weiteres Themenfeld: die Geschichte weiblicher Körperbilder, Scham und Vorstellungen von Reinheit und Jugend – wie etwa in „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach. Darstellungen badender Frauengruppen stehen oft in einem Spannungsfeld zwischen Bewunderung und Fürsorge auf der einen, Sexualisierung und moralischer Bewertung auf der anderen Seite – aus einem männlichen Blick.
Hinzu kommen Erfahrungen, die viele Frauen teilen: das frühe Erlernen bestimmter Körperbilder, Scham, Tabus über den eigenen Körper und die Vorstellung, bestimmten Reinheits- und Schönheitsnormen entsprechen zu müssen. Was zunächst als alltägliche Praxis der Körperpflege erscheint, ist damit auch von gesellschaftlichen und patriarchalen Machtstrukturen geprägt, die insbesondere weibliche und weiblich gelesene Körper bewerten und disziplinieren – so Naomi Wolf in „The Beauty Myth“. Daraus entstand die Frage, die den Ausgangspunkt der Bachelorarbeit bildet: Wie kann Waschen aus diesen Vorstellungen von Kontrolle und Anpassung gelöst und stattdessen als stärkende, gemeinschaftliche Praxis neu gedacht werden? Welche Objekte können dabei unterstützen?
Das Konzept besteht aus drei Objekten: einer Waschbank, die das Thema der Fürsorge aufnimmt, einem Wasserturm, der für das Thema Gemeinschaft steht, und einer Seife, die den Kontext schafft.
Daraus entstand ein vertieftes Interesse an historischen und kulturellen Formen des Badens – an einer Zeit, in der Körperpflege auch in Mitteleuropa noch stärker im öffentlichen, gemeinschaftlichen Raum stattfand. In der Recherche fanden sich Darstellungen von Frauengruppen, die gemeinsam baden, sich waschen, füreinander sorgen und Stärke als Gruppe ausstrahlen. Diese Bilder eröffneten zugleich ein weiteres Themenfeld: die Geschichte weiblicher Körperbilder, Scham und Vorstellungen von Reinheit und Jugend – wie etwa in „Der Jungbrunnen“ von Lucas Cranach. Darstellungen badender Frauengruppen stehen oft in einem Spannungsfeld zwischen Bewunderung und Fürsorge auf der einen, Sexualisierung und moralischer Bewertung auf der anderen Seite – aus einem männlichen Blick.
Hinzu kommen Erfahrungen, die viele Frauen teilen: das frühe Erlernen bestimmter Körperbilder, Scham, Tabus über den eigenen Körper und die Vorstellung, bestimmten Reinheits- und Schönheitsnormen entsprechen zu müssen. Was zunächst als alltägliche Praxis der Körperpflege erscheint, ist damit auch von gesellschaftlichen und patriarchalen Machtstrukturen geprägt, die insbesondere weibliche und weiblich gelesene Körper bewerten und disziplinieren – so Naomi Wolf in „The Beauty Myth“. Daraus entstand die Frage, die den Ausgangspunkt der Bachelorarbeit bildet: Wie kann Waschen aus diesen Vorstellungen von Kontrolle und Anpassung gelöst und stattdessen als stärkende, gemeinschaftliche Praxis neu gedacht werden? Welche Objekte können dabei unterstützen?
Das Konzept besteht aus drei Objekten: einer Waschbank, die das Thema der Fürsorge aufnimmt, einem Wasserturm, der für das Thema Gemeinschaft steht, und einer Seife, die den Kontext schafft.
Man sitzt nicht wie gewohnt nebeneinander, sondern wird durch Vertiefungen in Po-Form dazu eingeladen, hintereinander zu sitzen – die wortwörtliche Übersetzung von „I‘ve got your back“ – „Ich stehe bzw. sitze hinter dir“ Auf der Bank kann mit Seife und Gefäßen eine Rückenwaschung stattfinden. Die verschliffenen Vertiefungen wirken wie ausgewaschen und sollen den Anschein erwecken, dass diese Bank seit Generationen von Frauen genau für diese Handlung genutzt wird – übertragen passt dazu auch das Bild „in die Fußstapfen treten“, denn Körperbilder, Scham und Schuld werden von Generation zu Generation weitergegeben. Die Bank ist aus Apfelholz gefertigt – eine Anlehnung an die Paradiesgeschichte, in der Eva aus christlich (männlichem) Blickwinkel als Sünderin gilt, in feministischer Auslegeung hingegen als Person, die nach Selbstbestimmung und Erkenntnis strebt.
Der Wasserturm
Der Wasserturm bildet den Mittelpunkt des Raums. Von Brunnen inspiriert, steht er für das Zentrum der Gemeinschaft. Er besteht aus einzelnen Keramikgefäßen, die sich zu einem Turm stapeln lassen und ein Lochmuster am gerundeten Boden haben. Von oben befüllt, füllt sich der Turm durch Aufstauen von unten nach oben. Nimmt man ein Gefäß des gefüllten Turms ab, beginnt der Wasserstrahl sofort zu fließen – alles findet direkt vor Ort statt, im Kollektiv.
Die Seife
Die Seife ist für den Kontext zuständig. Durch sie werden Bank und Wasserturm zu Waschobjekten und miteinander verbunden. Sie dient außerdem als kleines Erinnerungsstück an die Botschaft der Arbeit – zum Mitnehmen.
In der Praxis
„Es hat sich angefühlt, als wären wir wieder Kinder, die einfach so planschen, ohne nachzudenken“ –
eine Badende
In einem geschützten Patio unter einem Apfelbaum wurden die Objekte mit einer Gruppe von fünf Frauen getestet, die sich unterschiedlich gut kannten – vor allem nicht in einer so intimen Situation. Was als Selbstwaschung begann, wandelte sich schnell in gegenseitige Fürsorge: Das Badeerlebnis verselbstständigte sich, die gedachten Nutzungen wurden erweitert. Die Frauen waren so sehr in ihre Waschpraxis und Gespräche vertieft, dass meine Anwesenheit als Fotografin fast vergessen schien. Mit wie viel Freude, Selbstverständlichkeit und Nähe dabei interagiert wurde, bestärkte die Intention des Projekts weit mehr als erwartet – und ermöglichte einen Raum, in dem Nähe, Fürsorge, Sicherheit und gemeinsames Handeln ganz selbstverständlich entstehen konnten.